Schildihome.de

Die Winterstarre:

Allgemeines:

Die Winterstarre ist ein wichtiges Kapitel in der Schildkrötenpflege. In freier Natur halten die griechischen Landschildkröten grundsätzlich einen Winterschlaf bzw. eine Winterstarre. Hierbei verbringen sie die kalte Jahreszeit im Boden unter der Frostgrenze eingegraben.

Warum Winterstarre?

Die Tiere gehen nicht freiwillig in die Winterstarre, sondern gezwungenermaßen. Schildkröten sind als Reptilien ja wechselwarme Tiere und abhängig von der Umgebungstemperatur. Sie können ihre Körpertemperatur nicht wie die Säugetiere selber regeln. Im Winter in der Natur können sie daher nie ihre bevorzugte Körpertemperatur von 35-40 Grad Celsius erreichen. Deswegen fahren die Tiere ihren Stoffwechsel so weit herunter, dass sie fast keine Energie verbrauchen. Alle Lebensfunktionen sind extrem reduziert. Der Herzschlag beispielsweise erfolgt nur noch einmal pro Minute. Die Atemfrequenz ist ähnlich niedrig. Eine regelmäßige Winterstarre führt nachweislich zu einer verlängerten Lebenserwartung der Schildkröte. Korrekter ausgedrückt muß man sagen: Eine Verweigerung der Winterruhe z.B. durch ganzjährige Terrarienhaltung führt mit Sicherheit zu einer Verkürzung der normalen Lebenserwartung einer griechischen Landschildkröte. Das Wachstum wird ohne Winterstarre beschleunigt, was aber für die Schildkröte schlecht ist, da es zu verminderter Widerstandsfähigkeit, Krankheiten, Panzerdeformitäten und einem zu frühen Tod des Tieres führt.

Kurz gesagt: Die artgerechte Haltung der Griechischen Landschildkröte macht eine Winterstarre unbedingt erforderlich!

Wie wird diese nun durchgeführt?

Vorbereitung:

Eigentlich führen die Schildis ihre Winterstarre ganz allein durch. Die Vorbereitung erfordert eine weitestgehende Entleerung des Darmes, damit die Tiere nicht während der Ruhephase durch Darmparasiten und Fäulnis geschädigt werden. Unter naturnahen Haltungsbedingungen machen die Tiere diese Vorbereitung selbst: sie nehmen nach und nach weniger und schließlich keine Nahrung mehr zu sich. Gleichzeitig koten sie regelmäßig ab. Ist die Vorbereitung abgeschlossen, graben die Tiere ich im Boden ein und suchen sich eine angenehme Schlafposition in ausreichend feuchter Umgebung. In der Anfangsphase kommen sie bei Sonnenschein immer wieder hoch, um noch ein wenig Energie zu tanken, welche sie auch für die Darmentleerung brauchen. Zeitlich orientieren die Tiere sich hierbei am Tageslicht bzw. der Dauer der Sonneneinstrahlung und an der Umgebungstemperatur. Wenn die Tage kürzer und kälter werden, und das Wetter immer schlechter wird, beginnen die Tiere mit der Vorbereitung. Nach einiger Zeit kommen sie dann nicht mehr hoch und verbleiben in der Erde zur Hibernation. Erwärmt die Erde sich im Frühjahr wieder, kommen die Tiere wieder hoch und beginnen nach einer Weile wieder Nahrung aufzunehmen.

meine Lieblingsschildi hat sich vergraben

Durchführung:

Was muß der Schildkrötenhalter nun dabei tun? Nun zunächst sind die klimatischen Verhältnisse hier anders als im Habitat der griechischen Landschildkröten. In der Hauptsache müssen wir dafür sorgen, dass die Schildis während der Winterstarre konstante Temperaturen haben und nicht in unseren nordeuropäischen Wintern erfrieren. Die übliche und kontrollierbare Methode ist, die Schildkröten im Kühlschrank bei konstanten 4°C zu überwintern. Hört sich komisch an "Schildkröten im Kühlschrank", ist aber eine erprobte Methode. Genaueres siehe unten.

Unser Schildkrötenkühlschrank

Freilandüberwinterung:

Eine andere Variante ist die naturnahe "Überwinterung im Freiland" wobei die Tiere in ihren Freigehegen sich selbst überlassen werden. Hierzu gibt es laufende Studien. Ein befreundeter Schildkrötenpfleger, von dem wir zwei Nachzuchten bekommen haben, hat die Tiere ebenfalls draussen überwintert (auch die Nachzuchten).
Schwierig ist hierbei, dass die Tiere sich je nach Bodenkälte tiefer eingraben, um unterhalb der gefrorenen Erdschicht zu bleiben. Je kälter es wird umso tiefer graben sie sich also ein.
In unserer Region in Norddeutschland ist es allerdings sehr feucht, mit moorigen Böden, so dass die Tiere vor Wasser geschützt werden müssen. Im besagten Fall wurde ein 300l Regenfass bis zum Rand in die Erde eingelassen und mit feuchter Gartenerde wieder aufgefüllt. So konnten die Tiere sich bis etwa 1m tief eingraben ohne zu ertrinken. Bei unserem Bekannten hat das problemlos funktioniert. Die Tiere haben sich selbst eingegraben und sind nach dem Winter von alleine wieder hochgekommen. Uns ist das jedoch ein wenig zu unkontrolliert und wir überwintern unsere Tiere im Kühlschrank.

Frühbeet/Gewächshausüberwinterung

Eine etwas sicherere Variante der Freilandüberwinterung ist die Winterstarre im Gewächshaus oder Frühbeet. Hier muß - wie bei der Regentonnenvariante - unter dem Frühbeet eine nach unten und zu den Seiten z.B. mit engmaschigem Drahtgeflecht abgesicherte Grube gestaltet werden, die bis ca 1m tief reicht, damit die Tiere sich bei Frost ausreichend tief vergraben können. Am Boden der Grube muß eine Drainageschicht aus Kies sein, damit sich keine Staunässe bilden kann. Bei uns wäre es sicher zu naß, so dass ich hier auch eine Regentonne unter dem Frühbeet favorisieren würde. In einem so vorbereiteten Frühbeet können die Tiere sich selbständig vorbereiten und schließlich eingraben. Wenn die Tiere sich eingegraben haben, sollte das Frühbeet zur Isolierung mit Laub angefüllt werden, damit bei hohen Aussentemperaturen die Erde schön kühl bleibt, und die Tiere nicht vorzeitig hochkommen. Daher sollte man zusätzlich noch eine Beschattung anbringen. Auch bei dieser Methode muß die Substratfeuchtigkeit kontrolliert werden!

Kühlschranküberwinterung:

Diese Methode ist unter den mir bekannten Schildkrötenhaltern die verbreitetste. Aber auch die Kühlschranküberwinterung hat ihre Tücken. Man sollte hier auf eine möglichst gleichbleibende Temperatur achten. diese sollte im Idealfall 4°C betragen. Bei Temperaturen über 6°C besteht die Gefahr, dass die Tiere wieder aufwachen und ihre Winterstarre frühzeitig beenden.
Für die Kühlschranküberwinterung kommen die Tiere in Boxen, welche (bei uns) mit einem Gemisch aus normaler Gartenerde und Sand gefüllt werden. Die Substrathöhe sollte mindestens das 1,5fache der Panzerhöhe der Tiere haben. Das Substrat muß schön krümelig und erdfeucht sein. Die Erde, in der die Tiere starren, muß ausreichend feucht sein, da es sonst zu Austrocknung und wiederum Panzerdeformitäten kommen kann. In der freien Natur suchen die Schildkröten sich entsprechende Stellen. Im Kühlschrank muß das feuchte Klima durch eine Abdeckschicht aus Laub und regelmäßiges Besprühen mit Wasser erzeugt werden. Wir nehmen Buchenlaub, da dieses nicht so schnell schimmelt oder verrottet.


Überwinterungskiste, hier für die großen Tiere..... Der befüllte Schildikühlschrank


Die Temperaturen im Kühlschrank sollten regelmäßig gemessen werden, am besten mit einem digitalen Thermometer mit Fühlerkabel, welches direkt in das Substrat gesteckt wird. So kann man draussen die Temperatur ablesen, ohne jedesmal die Tür zu öffnen.

Schließlich müssen die Tiere in regelmäßigen Abständen gewogen werden. Ein Gewichtsverlust ist ein Indiz dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist. Bei mehr als zehn Prozent Gewichtsabnahme sollte die Winterstarre unterbrochen werden.

Aktuelles von der Winterstarre unserer Tiere:

Irgendwie durchlaufen wir während der Winterstarre heftige Wechselbäder. Unsere Schildis bezüglich der Temperatur und wir bezüglich der Angst um die Schildis. Alles begann ganz normal: die Schildis haben sich draußen weggegraben und kamen irgendwann nicht mehr hoch. Am letzten Oktorberwochenende haben wir alle Tiere in den seit Wochen mit den Überwinterungsboxen gefüllten und auf ca. 4° Innentemperatur eingependelten Kühlschrank gepackt. Der Kühlschrank hat nur einen normalen Drehregler für die Stärke der Kühlung. Da er sowieso in einem unbeheizten Nebengebäude stand mußte er wenig kühlen. Die ersten Wochen ging alles gut. Gegen Anfang November hatten wir zwei drei Tage nicht in den Kühlschrank geschaut. In dieser Zeit kam es zu einem Temperatursturz. Bei der nächsten Kontrolle waren es nur noch 0,5°C im Kühlschrank, das Substrat war nahezu steinhart gefroren.

Wärend meine Frau den Tränen nahe war, da sie dachte, alle Tiere seien erfroren, mußte ich sie alle ausgraben, kontrollieren und wiegen. Große Freude: alle Tiere lebten noch und die Gewichte waren nahezu unverändert.

Also alle wieder rein in den Kühlschrank. Damit uns sowas nicht wieder passiert habe ich einen Frostwächter (Heizlüfter eingestellt auf 6°C ) ins Backhaus gestellt und den Kühlschrank ganz runtergedreht. Wie der Teufel es will gab es wenige Tagen später eine irre Schönwetterlage mit Außentemperaturen um 15°C. Als ich am nächsten Morgen in den Kühlschrank schaute, wäre ich fast umgefallen vor Schreck: Aus dem Flaschenfach in der Tür grinste mich Fred (unser semiadulter Boettgeri-Mann) an. Er war bei ca 11° Kühlschranktemperatur (niedrigste Stufe eingestellt s. oben) aufgewacht, hatte sich ausgegraben, alles dreckig gemacht und sich cool in die Tür gehängt.

Voller Panik habe ich Monika (unsere Züchterin, von der wir Fred bekommen haben) angerufen und um Rat gefragt.

Laut Anweisung habe ich den Kühlschrank ins Haus geholt um eine gleichmäßigere Außentemperatur zu erhalten. Dann habe ich Fred wieder in seine Kiste gesetzt aber nur in eine oberflächliche Mulde und ihn wieder mit Laub bedeckt. Da ist er aber nicht geblieben sondern weiter in seiner Kiste rumgelaufen. (Na ja, nicht wirklich gelaufen, dafür ist er doch zu starr, aber er hat sich von seinem Platz in der Mitte der Kiste an deren Rand und nach oben bewegt.) Nach erneuter Rücksprache mit Monika habe ich Fred nochmal richtig eingegraben tief ins Substrat und den Kühlschrank dann vier Tage zugelassen. Am ersten Tag habe ich durch die Türe noch Geklöter gehört. Wahrscheinlich hat er sich noch mal gedreht oder so. Seitdem ist aber Ruhe.

Der Kühlschrank läuft jetzt inzwischen auf "volle Pulle" und wir haben die Tür 4 Tage zugelassen. Trotzdem hatte ich beim Nachschauen nach vier Tagen eine Temperatur von 7° in dem blöden Ding! In den Kisten scheint Ruhe zu sein. Ich habe auch nicht reingeschaut um die Tiere nicht zu stören. Trotzdem habe ich Sorge wegen der Temperaturen! Weiß nicht ob das anhaltende "Kneippen" den Tieren zuträglich ist. Also bin ich für alle gutgemeinten Ratschläge dankbar! Nun ist das doch viel anstrengender und spannender mit der Winterstarre, als ich zwischenzeitlich gedacht hatte.

08.12.07:
Nachdem ich alle Kisten mit Thermofühlern ausgerüstet hatte, fand ich in unserem Kühlschrank drei unterschiedliche Temperaturzonen! Ganz oben 3°, in der Mitte 6° und unten 9°C! Daher erscheint mir auch das dauerhafte Überwachen der Temperatur sehr wichtig!
Also habe ich Fred nochmal umgesetzt, aus der Kiste ganz unten in die obere Kiste. Ich hoffe, er schläft jetzt und stört die anderen beiden Tiere in der Box nicht.

01.01.2008:
Heute habe ich alle Tiere ausgegraben und nachgewogen. Alle sind wohlauf. Nur die kleinste Schildi hat 2 Gramm abgenommen, was aber wohl im Bereich des Messfehlers liegen dürfte. Inzwischen habe ich die Kühlschranktür noch mit Wasserflaschen aufgefüllt. So hält der Kühlschrank die Temperatur besser. Alle schlafen friedlich.

09.02.2008:
Heute wieder mal alle Tiere ausgegraben und gewogen. Alle sind gut zufrieden wie man hier in Ostfriesland so schön sagt. Die Tiere haben ihr Gewicht gehalten. Alles scheint ok zu sein. Inzwischen habe ich auf das Substrat der großen Tiere auch Sphagnum Moos getan. Das hält die Feuchtigkeit deutlich besser als das Buchenlaub. Das Laub habe ich aber trotzdem noch obendrauf getan. Es isoliert gut gegen Temperaturveränderung von oben.

Ich werde hier regelmäßig vom weiteren Verlauf der Winterruhe berichten. Also schaut bald wieder rein!

Kontakt: info@schildihome.de
zurück zur schildihome.de Schildkröten-Hauptseite